Fundstück der Woche 01-2017

"Ein Wasserhaus auf der Feste Kaiser Franz bei Coblenz", 1823


Das Fundstück der Woche 01/2017 ist eine Abbildung des Brunnenhauses im Innenhof des Reduits der Feste Kaiser Franz.

Als die preußische Armee Ende 1792 zum ersten Mal den Petersberg in Lützelkoblenz, den späteren Standort der Feste Kaiser Franz, befestigte, befand sich dort bereits ein Brunnenhaus. Diese Wasserstelle speiste sich aus dem Wasserturm am Moselufer etwa dort, wo später die Moselflesche entstehen sollte (heute das Gelände der Wehrtechnischen Studiensammlung). Der Wasserturm hing wiederum an der kurfürstlichen Wasserleitung, die die Stadt Koblenz von Metternich aus mit Frischwasser versorgte. Zu dieser Zeit wurde der Petersberg in der Bevölkerung auch "Brunnenstube" genannt.

Während der frühen Zeit der französischen Besetzung des linken Rheinufers diente die Brunnenstube, die tatsächlich wohl die Erscheinung eines Gartenhäuschens hatte, den französischen Truppen als Deckung gegen Beschuss vom rechten Ufer. In den folgenden Jahren verlieren sich seine Spuren.

Mit dem 1816 einsetzenden Bau der Feste Kaiser Franz unter jetzt preußischer Herrschaft wurde wiederum Wasser zur Versorgung der später hier stationierten Truppen benötigt. Da das Reduit der Feste den Soldaten als Kaserne diente, erhielt das Gebäude im Innenhof eine Brunnenanlage mit einem Brunnenhaus aus Gusseisen im Neugotischen Stil aus der Sayner Hütte. Denkbar wäre, dass dieser Brunnen weiterhin aus der Metternicher Wasserleitung gespeist wurde.

In den 1840er-Jahren wurde die unten beschriebene mechanische Hebevorrichtung durch eine Pumpanlage ersetzt. Wann genau das Brunnenhaus verschwand, ist nicht bekannt. Auf diversen Ansichtskarten aus der Zeit um die Jahrhundertwende und auf einem Foto von 1920 ist keine Brunnenanlage mehr zu sehen.

Versteigerungsankündigung. Coblenzer Anzeiger,
9. November 1843. Quelle: Stadtarchiv Koblenz


Der Originaltext der unter dem Link zu sehenden Tafel lautet: "Ein Wasserhaus auf der Feste Kaiser Franz bei Coblenz. Dasselbe steht über einem Brunnen, aus welchem das Wasser vermittelst einer Kurbel und einfachem Getriebe gehoben wird. Die Theile des letztern sind theils von Guss-, theils von Schmiedeeisen. Die sämmtlichen Gusswaaren-Stücke haben gewogen 6100 Pfund excl. des Wasserbassins, dessen Gewicht 1420 Pfund beträgt."

Matthias Kellermann


Quelle

Abbildungen der Gußeisen-Waaren aus der Königlichen Eisengießerey zu Saynerhütte, Bonn 1823.




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