Fundstück der Woche 06-2017

Die "ultimative Lobhudelei" auf das System Feste Kaiser Franz, 1844


Das Fundstück der Woche 06/2017 ist eine kurze Passage aus einer Vorlesung, die Generalmajor Leopold von Brese-Winiary (1787-1878) im Jahr 1844 bei der militärischen Gesellschaft in Berlin gehalten hat. In einer kurzen Passage lobt er darin die besondere Disposition des Brückenkopfes "Feste Kaiser Franz" auf dem linken Moselufer. Von Brese-Winiary wurde 1849 Nachfolger des Generals von Aster als Chef der Ingenieure und Pioniere und Generalinspekteur aller preußischen Festungen.

Zur Feste Franz schreibt er:

"Dies Fort deckt den Uebergang über die massive Moselbrücke; es hat die Moselfront der Stadtbefestigung als Basis hinter sich, und die West- oder Rheinfront des Ehrenbreitsteins rechts zur Seite. Beide Fronten beherrschen den inneren Raum dieses großartigen Brückenkopfs, welcher der Konstruktion seiner Werke nach eben so einfach, als im hohen Grade vertheidigungsfähig, und seiner deckenden Einwirkung nach eben so umfassend, als jeder Heerbewegung förderlich ist."

Diese herausragende Position der Feste Kaiser Franz mit ihren vorgelagerten Werken sollte sich mit der Entwicklung der Geschütztechnik im Laufe des 19. Jahrhunderts relativieren. 1869/1870 sieht der Militärhistoriker Georg Cardinal von Widdern (1841–1920) das System Feste Franz und das in seinem Schatten geplante Truppenlager in Gefahr, durch feindliche Artillerie "von den Metternicher Höhen" beschossen zu werden. Mehr noch:

"Steht nun aber vor der durch Entfernung der Armee isolirten Festung wirklich ein Belagerer, so könnte es diesem wohl am leichtesten gelingen, sich zum Herrn des Systems Franz zu machen, allein er dürfte in Verlegenheit kommen, was mit dem gewonnenen Terrain zu machen ist. Auf der einen Seite würde die Mosel, auf der andern der Rhein sich seiner ferneren Ausdehnung entgegen legen und das konzentrische Feuer sämmtlicher inneren Fronten der Stadteinceinte, der Karthause und dem Ehrenbreitstein würde ihn verhindern, sich in der Niederungsebene im nordwestlichen Flußwinkel zu etabliren, geschweige denn von hieraus artilleristisch in Aktion zu treten."

Entsprechende Planungen von französischer Seite, die Feste Kaiser Franz auf dem linken Moselufer anzugreifen, hat es zur Zeit Napoleons III. wohl tatsächlich gegeben. Allerdings sollte dieser Angriff nur der Ablenkung von dem eigentlichen Ziel, der Feste Kaiser Alexander auf der Karthause, dienen. Den Ernstfall erlebte die Feste Kaiser Franz wohl nie, da selbst Manöver aus Kostengründen auf dem reichseigenen Gelände vor der Feste Kaiser Alexander durchgeführt wurden - da vor der Feste Kaiser Franz Privatgelände dominierte, hätte der Fiskus hier für Manöverschäden aufkommen müssen.

Matthias Kellermann


Literatur
(Links sind fett gedruckt)

Brese, Johann Leopold Ludwig: Drei Vorlesungen über das Entstehen und das Wesen der neueren Befestigungs-Methode, Berlin 1856, S. 94f.

Widdern, Georg Cardinal von: Belgien, Nordfrankreich, der Niederrhein und Holland als Kriegsfeld. Supplement zu „Rhein- und Rheinfeldzüge“, Breslau 1870, S. 70f.









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