Fundstück der Woche 22/2017

Ein geplantes und wieder verworfenes Kronwerk, ca. 1825


Das Fundstück der Woche 22/2017 ist ein französischer Plan der Stadt Koblenz und ihrer Umgebung aus der Zeit um 1825. Dieser zeigt das System Feste Kaiser Franz unmittelbar nach der Fertigstellung. Bemerkenswert ist das Kronwerk an der Moselbrücke, das nie gebaut worden war.

Zu sehen sind auf dem Plan neben der Feste Kaiser Franz die drei Fleschen, die dem Werk zur Sicherung des Petersbergs und des Geländes an der Moselmündung, welches als verschanztes Lager dienen sollte, zur Seite gestellt wurden. Dabei ist der Plan zum Teil sehr detailgetreu, wie z.B. die Kommunikation zwischen Bubenheimer Flesche und Feste Kaiser Franz oder die Grabenwehren der einzelnen Werke bis hin zum Geschützturm unterhalb der Moselflesche zeigen. Zum Teil ist er aber auch sehr ungenau, wie sich z.B. am Reduit der Neuendorfer Flesche oder am Kehlturm der Feste Kaiser Franz ablesen läßt.

Vollends fragwürdig wird der Plan aber bei der Befestigung des linken Moselufers an der Moselbrücke. Hier sicherte in kurfürstlicher Zeit ein nach der Form so genanntes Kronwerk, ein reines Erdwerk, den Zugang nach Koblenz. In den ursprünglichen Planungen der Preußen war ein solches Werk wohl an dieser Stelle vorgesehen, wurde aber aus unbekannten Gründen verworfen und daher nie gebaut. Möglicherweise hielten die preußischen Planer den befestigten Petersberg und die Neuendorfer Flesche zur Sicherung des Moselüberganges für ausreichend.


Die im Plan fehlenden Schanzen des Systems waren zum vermuteten Zeitpunkt der Karte noch nicht errichtet. Sie wurden erst Anfang der 1830er-Jahre aus bereits vorhandenen Pulvermagazinen (Rheinschanze und Metternicher Schanze) bzw. komplett neu gebaut (Rübenacher Schanze).

Matthias Kellermann




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