Fundstück der Woche 24/2017

Die Fa. S. Adler und die krenelierte Mauer in Lützel-Koblenz, 1903


Das Fundstück der Woche 24/2017 ist ein Rechnungskopf der Firma S. Adler aus Coblenz-Lützel, ausgestellt 1903. Auf dieser Rechnung ist ein Teilstück der Lützeler Ortsumschließung zu sehen, die bereits 1890 aufgegeben und in der Folge zurückgebaut worden war. Interessanterweise handelt es sich bei dem abgebildeten Stück um einen der wenigen Abschnitte, der heute noch existiert.

Im April 1858 entschied der damalige Regent Prinz Wilhelm von Preußen, den Koblenzer Güterbahnhof auf der linken Moselseite in Lützel-Koblenz in der Nähe der Feste Kaiser Franz zu errichten. Da dies die Wirksamkeit des Kehlturms der Feste stark eingeschränkte, entstand um die neuen Gleisanlagen und den Ort Lützel-Koblenz von 1864 bis 1866 ein Mauerring bestehend aus einer 10 Fuß (ca. 3 Meter) hohen, mit Schießscharten versehenen Bruchsteinmauer (sog. krenelierte Mauer), einem Wacht-Blockhaus und zwei Geschütztürmen (sog. Kaponnieren).

Rechnungskopf der Firma S. Adler
aus Coblenz-Lützel, 1903 (Ausschnitt).
Krenelierte Mauer rechts des Bahndamms

Die neue Mauer sollte, für den Fall eines feindlichen Angriffs, die Einnahme des in der Kehle zwischen der Feste Kaiser Franz und dem neuen Bahnhof gelegenen Artillerie-Depots erschweren und so das hier gelagerte Material schützen.

Krenelierte Mauer rechts des Bahndamms
in der heutigen Deichstraße

Von der Auflassung des Systems Feste Kaiser Franz am 13. März 1890 war auch die Ortsumschließung betroffen. Ein Teil der Anlage wurde verkauft, ein Teil ging in den Besitz des Ortes Lützel-Koblenz über, dessen Eingemeindung nach Koblenz am 1. Juli 1891 erfolgte. Weite Teile des Mauerrings wurden in der Folge zerstört. Heute erinnern noch diverse Mauerzüge und die Straßenbezeichnung "An der Ringmauer" an die Lützeler Mauerumschließung der 1860er-Jahre.

Matthias Kellermann







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