Fundstück der Woche 28/2017

Explosion im Friedens-Laboratorium, 18. November 1871


Das Fundstück der Woche 28/2017 ist ein Artikel aus der Coblenzer Zeitung vom 19. November 1871. Einen Tag zuvor hatte sich im Friedens-Laboratorium im Neuendorfer Feld eine schwere Explosion ereignet, bei der acht Soldaten ums Leben kamen.

Das Friedens-Laboratorium auf dem linken Rheinufer war 1869/1870 als Ersatz für die Anlage in Thal-Ehrenbreitstein errichtet worden, da diese dem Eisenbahnbau weichen musste. Das Friedens-Laboratorium diente der Herstellung von Munition in Friedenszeiten, im Kriegsfall wäre die Produktion in die Festungsmauern verlagert worden. Am 19. November kam es bei bei dem Entladen von Granaten zu dem folgenschweren Unfall.

Coblenzer Zeitung, 19. November 1871
Quelle: Stadtarchiv Koblenz

Wie sich herausstellte, waren bei dem Unglück acht Soldaten ums Leben gekommen, davon vier Angehörige des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 und vier Artilleristen. Acht Verletzte wurden in die Garnisonslazarette der Stadt gebracht, wo sie noch am Tag des Unglücks von der Kaiserin besucht wurden. Mehrere glückliche Umstände verhüteten damals wohl ein noch größeres Unglück. So lagerten im Feuerhaus lediglich "50 Pfund Pulver und zwei geladene Granaten". Außerdem fand zu dem Zeitpunkt die wöchentliche Überprüfung der Feuerspritze statt, sodass ein Übergreifen des Feuers auf andere Gebäude rasch verhindert werden konnte.(1)

30 Jahre später erinnerte die Coblenzer Zeitung in einem Artikel an das Unglück, dessen Ursache ungeklärt blieb.

"Die Ursache der Explosion konnte nicht mit Sicherheit ermittelt werden, der Dienst selbst bestand im Entladen französischer Kriegs-Munition (Granaten)."

Soldaten aus der nahegelegenen Neuendorfer Flesche, die gerade die Feuerspritze auf ihre Funktion überprüften, waren als erste vor Ort und kümmerten sich um die Verletzten und die brennenden Trümmer des Feuerhauses, unter denen es während der Löscharbeiten zu weiteren kleinen Explosionen kam. Für ihren Einsatz an diesem Tag erhielten drei Soldaten das Allgemeine Ehrenzeichen.(2)

Das zerstörte Feuerhaus wurde 1872/1873 wiederhergestellt. Anfang der 1890er-Jahre wurde das Friedens-Laboratorium in den Werkhof der aufgelassenen Feste Kaiser Franz verlegt.

Matthias Kellermann


Quellen

Stadtarchiv Koblenz (StAK)
- Coblenzer Zeitung Nr. 320, 19.11.1871: Vermischte Nachrichten.
- Coblenzer Zeitung Nr. 322, 21.11.1871: Vermischte Nachrichten.
- Coblenzer Zeitung Nr. 592, erstes Blatt (Morgen-Ausgabe), 24.12.1901: Aus Stadt und Umgegend.


Literatur

Kleber, Peter und Matthias Kellermann: Militärische Einrichtungen im Bereich des Systems Feste Kaiser Franz, in: Feste Kaiser Franz. Zur Geschichte des Festungswerks und des Systems Feste Franz in Koblenz-Lützel. Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum Feste Kaiser Franz e.V., hrsg. von Feste Kaiser Franz e.V., 3. Auflage, Koblenz 2012, S. 65–74.


Anmerkungen

(1) Coblenzer Zeitung Nr. 322, 21.11.1871: Vermischte Nachrichten.
(2) Coblenzer Zeitung Nr. 592, erstes Blatt (Morgen-Ausgabe), 24.12.1901: Aus Stadt und Umgegend.




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