Fundstück der Woche 38/2017

Ein "Kinderpark" auf der Metternicher Schanze, 20. Juli 1922


Das Fundstück der Woche 38/2017 ist ein "Erläuterungsbericht" des Koblenzer Gartenamts vom 20. Juli 1922 zu den geplanten Maßnahmen auf den Geländen der drei entfestigten Werke Bubenheimer Flesche, Metternicher und Rübenacher Schanze. Der Bericht führt die im "Vorentwurf" vom 15. Februar 1921 graphisch dargestellte Ausgestaltung der drei Grundstücke wortreich aus.(1) Die Stadt Koblenz war seit dem Beginn der Entfestigung an einer Übernahme der linksrheinischen Festungsgrundstücke interessiert, sei es zur Anlage eines Volksparks (Bubenheimer Flesche), einer Sportanlage (Rübenacher Schanze) oder eben zu einer Erholungsstätte für Kinder.

Letztere war auf der Metternicher Schanze vorgesehen, die 1890 zusammen mit der Feste Kaiser Franz aufgegeben worden war. Nach der Auflassung diente das Blockhaus der Schanze als Munitionsdepot für die nahegelegene Munitionsanstalt in der Feste Kaiser Franz, während der Rest der Anlage verfiel bzw. der Graben mit Schutt verfüllt wurde. Ungeachtet dessen musste die Schanze auf Grundlage des Versailler Vertrages entfestigt werden, wovon hier aber lediglich ein Pulvermagazin betroffen war. Mit dessen Sprengung galt die Anlage am 28. Oktober 1920 als entfestigt. Am 16. Dezember 1920 ging die Liegenschaft in die Obhut der Stadt Koblenz über, während die Besatzung das Gelände weiter für sich beanspruchte.

Das städtische Gartenamt plante daraufhin im Rahmen des eingangs erwähnten Gesamtkonzeptes auf der ehemaligen Metternicher Schanze einen Spielplatz, das Blockhaus sollte als „Kinderheim“ dienen. Weiter heißt es in dem "Erläuterungsbericht":

Das kleinste der früheren Festungsgelände eignet sich zur Unterbringung einer Kinderhortes. Das noch vorhandene massive Pulvermagazin könnte nach Umbau bei regnerischem Wetter den nötigen Unterstand und Spielraum bieten. Das Gelände müsste vor allen Dingen solide eingefriedigt und zum Schutz gegen Strassenstaub und Lärm dicht mit Tannen umpflanzt werden. Eine Wildrosenhecke am äusseren Drahtzaun könnte den poetischen Reiz dieses Kinderparks noch erhöhen. Die Wall- und Grabenanlage müsste zur Hälfte ausgeglichen werden. An der Stelle des halb abgetragenen Walles käme der Hauptspielplatz für kleine Gesellschaftsspiele zu liegen, umschlossen von einer Rosenhecke und vom Gürtel alter Bäume. Einen Reigentanzplatz vor dem alten Gebäude, ein Sandspielplatz und ein Planschbecken bieten weitere Unterhaltung für die Kleinen, verbunden durch Spazierwege, die auch bei nassem Wetter Rundgänge und Umzüge erlauben.“(2)

Für den geplanten Um- und Ausbau rechnete das Gartenamt mit einem Finanzbedarf von 300 000,00 Mark. Ungeachtet der fehlenden Freigabe durch die Besatzung hatte die Stadt für Bodenbewegungen, die Anlage von Wegen und das Fällen von Bäumen bereits 20 000,00 Mark aufgebracht, 1923 fanden weitere Einebnungsarbeiten im Rahmen von "Notstandsarbeiten" statt. Das als Kinderheim vorgesehene Blockhaus wurde nach der Entfestigung durch Holzdiebstähle derart beschädigt, dass es im August oder September 1922 abgebrochen werden musste. Bei dieser Gelegenheit ließ die Stadt auch das gesprengte Verbrauchs-Pulvermagazin beseitigen und die noch vorhandene Brunnenanlage hinter dem abgerissenen Blockhaus verfüllen.

Da die französische Besatzung an der Requirierung des Geländes festhielt, blieben die Pläne für einen Kinderpark letztlich unausgeführt. Spätere Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes zielten darauf ab, auf dem eingeebneten Grundstück Kleingärten für die Bevölkerung anzulegen. Am 1. Januar 1934 konnte die Stadt Koblenz die ehemalige Schanze schließlich unentgeltlich in Besitz nehmen. Heute führt die Trasse der Ende der 1960er-Jahre tiefer gelegten Bundesstraße 9 über das Gelände, das außerdem zum Teil mit französischen Besatzungsbauten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, zum Teil mit der ab 1937 errichteten Falckenstein-Kaserne bebaut ist.

Matthias Kellermann


Quellen

Stadtarchiv Koblenz (StAK)
- Bestand 623 Nr. 8078, S. 21-25.


Literatur

Kellermann, Matthias: Die Metternicher Schanze, Bonn 2015 (unveröffentlichtes Manuskript).


Anmerkungen

(1) Siehe Umgestaltung der Bubenheimer Flesche, Metternicher u. Rübenacher Schanze, Städtisches Gartenamt, 15.02.1921, Quelle: StAK.
(2) Vgl. StAK Best. 623 Nr. 8078, S. 21.




Druckbare Version
Seitenanfang nach oben