Fundstück der Woche 11/2018

Boulangerie Militaire, nach 1924


Das Fundstück der Woche 11/2018 ist eine Ansichtskarte aus der Zeit um bzw. nach 1924. Zu sehen sind vermutlich Angehörige einer französischen Bäckereinheit im ehemaligen Korps-Bekleidungsamt in Lützel.

Vom 12. bis zum 17. Dezember 1918 rückte die 3. US-Armee im Koblenzer Brückenkopf (eine 30-Kilometer-Sicherheitszone auf dem rechten Rheinufer) ein und schlug ihr Hauptquartier in Koblenz auf. Für die Versorgung der Truppen war ab Februar 1919 das Quartermaster-Depot in Lützel zuständig, das vermutlich auf dem Gelände des ehemaligen Bekleidungsamtes zunächst eine Militärbäckerei mit acht Feldbacköfen unterhielt. Deren Ausbringung lag bei ca. 9 500 Stück Brot am Tag. Ab Oktober 1921 produzierte die Bäckerei im Lagerhaus des Bekleidungsamts (siehe hier) mit zwei eigens aus den USA importierten Marshal-Backöfen weiter. Im Zuge der amerikanischen Truppenreduzierung in Europa gab die Armee die Bäckerei schließlich im Juni 1922 auf.

Einen Monat später requirierte nun die nachrückende französische Besatzung den Gebäudekomplex des ehemaligen Bekleidungsamts, der Standort erhielt den Namen Caserne Valmy. Dort nahm im Januar 1924 eine französische Militärbäckerei („Boulangerie Militaire“) die Brotproduktion zunächst mit den amerikanischen Backöfen wieder auf.

Französische Bäckereinheit an der
Caserne Valmy, um oder nach 1924
Unbekannter Fotograf

Ende 1924 bzw. Anfang 1925 wurde die Bäckerei noch um zwei Backöfen erweitert. Vermutlich blieb sie bis zum Abzug der französischen Besatzung im November 1929 in Betrieb.

Matthias Kellermann


Literatur

Kellermann, Matthias: Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein (siehe hier).




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