Ortsumschließung Lützelkoblenz

Geschichte


Im April 1858 entschied der damalige Regent Prinz Wilhelm von Preußen „Namens Sr. Majestät des Königs“, den Koblenzer Güterbahnhof auf der linken Moselseite in Lützelkoblenz in der Nähe der Feste Kaiser Franz zu errichten. Da hierdurch die Wirksamkeit des Kehlturms der Feste stark eingeschränkt wurde, entstand um die neuen Gleisanlagen und den Ort Lützelkoblenz von 1864 bis 1866 ein Mauerring bestehend aus einer 10 Fuß (ca. 3 Meter) hohen Bruchsteinmauer, die mit Schießscharten versehen war (sog. krenelierte Mauer), einem Wacht-Blockhaus und zwei Geschütztürmen (sog. Kaponnieren).

Die neue Mauer sollte, für den Fall eines feindlichen Angriffs, die Einnahme des in der Kehle zwischen der Feste Franz und dem neuen Bahnhof gelegenen Artillerie-Depots erschweren und so das hier gelagerte Material schützen.

Mit der Auflassung des Systems Feste Kaiser Franz am 13. März 1890 wurde auch die Ortsumschließung aufgegeben. Ein Teil der Anlage wurde verkauft, ein Teil ging in den Besitz des Ortes Lützelkoblenz über, der am 1. Juli 1891 zusammen mit Neuendorf nach Koblenz eingemeindet wurde. Weite Teile des Mauerrings wurden in der Folge zerstört, zuletzt in den 1970er-Jahren die Kaponniere II (das sog. Trierer Tor), die an das Wagenhaus 10 des Artillerie-Depots angebaut war. In unmittelbarer Nähe erinnert heute noch die Straßenbezeichnung "An der Ringmauer" an die Lützeler Mauerumschließung der 1860er-Jahre.

Rechnungskopf der Firma S. Adler
aus Coblenz-Lützel, 1903 (Ausschnitt).
Krenelierte Mauer rechts des Bahndamms.

Der Mauerverlauf


Vom Kehlturm der Feste Kaiser Franz führte die Mauer, unterbrochen von den Gleisanlagen, in Richtung der heutigen Andernacher Straße (früher Kölner Chaussee). Gegenüber der Einmündung in den Wallersheimer Weg befand sich die Kaponniere III (Wacht-Blockhaus).

Die Mauer folgte danach der Andernacher Straße (hinter der heutigen Bebauung) bis in Höhe des Brenderwegs, wo sich im Kreuzungsbereich an der Auffahrt zur Balduinbrücke das Kölner Tor an der Kölner Chaussee befand. Über die Garten- und Blumenstraße gelangte sie an das Theodor-Heuss-Ufer, wo sie schließlich an der Balduinbrücke endete.

Krenelierte Mauer rechts des Bahndamms
in der heutigen Deichstraße.

Jenseits der Brücke verlief die Mauer entlang des Bahndammes (heute Deichstraße) bis kurz vor die Eisenbahnunterführung, wo sie im rechten Winkel abbog und parallel zur Maria-Hilf-Straße bis zur Weinbergstraße/Ecke Maria-Hilf-Straße verlief. Hier befand sich die Geschütz-Kaponniere I.

Krenelierte Mauer im Hof des Hauses
Deichstraße Nr.1.

Von dieser führte sie parallel zur heutige Europabrücke bis in Höhe der Straße An der Ringmauer, wo sie wieder im rechten Winkel abbog und dem Verlauf der Ringmauer folgend schließlich am Artillerie-Wagenhaus Nr. 10 an der Mayener Straße (früher Trierer Straße) endete. Hier befand sich die Geschütz-Kaponniere II, das so genannte Trierer Tor.


Quelle


Kleber, Peter und Matthias Kellermann: Militärische Einrichtungen im Bereich des Systems Feste Kaiser Franz, in: Feste Kaiser Franz. Zur Geschichte des Festungswerks und des Systems Feste Franz in Koblenz-Lützel, herausgegeben von Feste Kaiser Franz e.V., 3. Auflage, Koblenz 2012, S. 65-74, hier S. 65f.


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